Verbrennungen am Arbeitsplatz: Hitzeschutz rettet vor schweren Verletzungen

Verbrennungen am Arbeitsplatz: Hitzeschutz rettet vor schweren Verletzungen

Verbrennungen am Arbeitsplatz haben schwerwiegende Folgen. Erfahren Sie, welche Hitzequellen gefährlich sind und wie Sie sich mit zertifizierter Hitzeschutz-Ausrüstung nach EN 407 effektiv schützen.

Verbrennungen: Schmerzhafte Arbeitsunfälle mit langwierigen Folgen

Verbrennungen und Verbrühungen gehören zu den schmerzhaftesten Arbeitsunfällen. In der Schweiz werden jährlich über 2.500 thermische Verletzungen bei der SUVA gemeldet. Die Folgen reichen von oberflächlichen Hautschäden bis zu schweren Verbrennungen dritten Grades mit dauerhaften Narben und Funktionseinschränkungen.

Typische Gefahrenquellen am Arbeitsplatz

1. Heiße Oberflächen und Materialien

  • Metallverarbeitung: Geschmolzenes Metall, heiße Werkstücke, Gießformen
  • Schweißen und Löten: Schweißperlen, heiße Schweißnähte, Lötkolben
  • Maschinen und Anlagen: Heiße Motoren, Öfen, Pressen
  • Rohrleitungen: Dampfleitungen, Heißwasserleitungen

2. Heiße Flüssigkeiten

  • Geschmolzene Kunststoffe und Harze
  • Heiße Öle und Fette
  • Kochendes Wasser und Dampf
  • Chemische Lösungen bei hohen Temperaturen
  • Bitumen und Asphalt

3. Flammen und Funken

  • Offene Flammen bei Schweiß- und Schneidarbeiten
  • Funkenflug beim Schleifen und Flexen
  • Brennende Materialien
  • Explosionen und Stichflammen

4. Strahlung und elektrische Energie

  • UV-Strahlung beim Schweißen
  • Infrarotstrahlung bei Hochtemperaturprozessen
  • Lichtbogenverbrennungen
  • Elektrische Verbrennungen durch Stromschlag

Verbrennungsgrade und ihre Folgen

Verbrennung 1. Grades (oberflächlich)

  • Rötung und Schwellung der Haut
  • Schmerzhaft, aber keine Blasenbildung
  • Heilung innerhalb weniger Tage ohne Narben
  • Beispiel: Leichte Sonnenbrand-ähnliche Verbrennung

Verbrennung 2. Grades (tiefer)

  • Blasenbildung auf der Haut
  • Starke Schmerzen und Nässen
  • Heilung nach 2-3 Wochen, mögliche Narbenbildung
  • Infektionsgefahr durch offene Wunden

Verbrennung 3. Grades (sehr tief)

  • Zerstörung aller Hautschichten
  • Weiße oder schwarze Verfärbung
  • Paradoxerweise oft schmerzfrei (Nerven zerstört)
  • Erfordert oft Hauttransplantation
  • Dauerhafte Narben und Funktionseinschränkungen

Hitzeschutz-Ausrüstung nach EN-Normen

Hitzeschutzhandschuhe (EN 407)

Die Norm EN 407 definiert Schutz gegen thermische Risiken mit 6 Leistungsstufen (0-4):

  • A - Brennverhalten: Wie lange brennt das Material nach?
  • B - Kontaktwärme: Schutz bei Berührung heißer Oberflächen (100-500°C)
  • C - Konvektionswärme: Schutz gegen Flammen
  • D - Strahlungswärme: Schutz gegen Wärmestrahlung
  • E - Spritzer geschmolzenen Metalls (klein): Anzahl Tropfen bis Hautschädigung
  • F - Spritzer geschmolzenen Metalls (groß): Gewicht in Gramm

Hitzeschutzkleidung (EN ISO 11612)

Schutzkleidung gegen Hitze und Flammen für:

  • Schweißer und Metallarbeiter
  • Gießerei-Mitarbeiter
  • Feuerwehr und Rettungsdienste
  • Arbeiten in heißen Umgebungen

Weitere Schutzausrüstung:

  • Hitzeschutzschürzen: Schutz für Oberkörper und Beine
  • Gesichtsschutzschirme: Schutz vor Strahlungswärme und Spritzern
  • Hitzeschutzgamaschen: Schutz für Unterschenkel und Füße
  • Schweißerschutzhelme: Kombination aus Augen- und Gesichtsschutz
  • Hitzebeständige Sicherheitsschuhe: Schutz gegen Kontaktwärme und Metallspritzer

SUVA-Empfehlungen zur Prävention

Technische Maßnahmen:

  • Abschirmung von Hitzequellen
  • Isolierung heißer Rohrleitungen und Oberflächen
  • Kennzeichnung von Gefahrenbereichen
  • Ausreichende Belüftung und Kühlung
  • Verwendung von Hilfsmitteln (Zangen, Greifer) statt direktem Kontakt

Organisatorische Maßnahmen:

  • Gefährdungsbeurteilung vor Arbeitsbeginn
  • Schulung im Umgang mit Hitzequellen
  • Regelmäßige Pausen in kühlen Bereichen
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Notfallplan für Verbrennungen

Persönliche Schutzmaßnahmen:

  • Konsequentes Tragen von Hitzeschutz-PSA
  • Regelmäßige Kontrolle der Schutzausrüstung
  • Beschädigte PSA sofort austauschen
  • Keine synthetische Kleidung unter Hitzeschutzkleidung (Schmelzgefahr)

Erste Hilfe bei Verbrennungen

Sofortmaßnahmen:

  1. Hitzequelle entfernen: Person aus Gefahrenbereich bringen
  2. Kühlen (nur bei kleinflächigen Verbrennungen):
    • Mit handwarmem Wasser (15-20°C) für 10-20 Minuten
    • NICHT mit Eiswasser (Unterkühlungsgefahr)
    • Bei großen Verbrennungen NICHT kühlen (Schockgefahr)
  3. Kleidung entfernen: Nur wenn nicht festgebrannt
  4. Steril abdecken: Mit Brandwundenverband oder sterilem Tuch
  5. Notruf: Bei Verbrennungen 2. und 3. Grades sofort 144 wählen

Was Sie NICHT tun sollten:

  • ❌ Keine Hausmittel (Mehl, Öl, Zahnpasta) auftragen
  • ❌ Blasen nicht öffnen (Infektionsgefahr)
  • ❌ Festgebrannte Kleidung nicht abreissen
  • ❌ Bei großen Verbrennungen nicht kühlen

Besondere Gefahren: Chemische Verbrennungen

Chemische Verbrennungen durch Säuren oder Laugen erfordern besondere Maßnahmen:

  • Sofort spülen: Mindestens 15-20 Minuten mit viel Wasser
  • Kleidung entfernen: Kontaminierte Kleidung sofort ausziehen
  • Nicht neutralisieren: Keine Gegenchemikalien verwenden (Wärmeentwicklung!)
  • Sicherheitsdatenblatt: Dem Arzt vorlegen

Fazit: Hitzeschutz ist lebenswichtig

Verbrennungen gehören zu den schmerzhaftesten und langwierigsten Verletzungen am Arbeitsplatz. Mit der richtigen Hitzeschutz-Ausrüstung nach EN 407 und EN ISO 11612 sowie konsequenter Prävention lassen sich die meisten Unfälle vermeiden. Investieren Sie in hochwertige Schutzausrüstung – Ihre Gesundheit ist unbezahlbar.

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